Quelle: Olli Baumgart
Lara Hohm spielt aktuell für den SV Meppen in der 2. Frauen-Bundesliga und hat als eine von zwei Frauen den Trainer-B-Lizenz Sonderlehrgang für Spieler*innen ab Oberliga erfolgreich absolviert.
(Fast) allein unter Männern – Lara Hohm hat gerade die B-Lizenz bestanden. Als eine von zwei Frauen hat sie den Kompaktlehrgang des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) abgeschlossen. Einen Großteil ihrer aktiven Laufbahn hat die 28-Jährige in Westfalen verbracht – einige Jahre davon auf dem Mädchenfußball-Internat im SportCentrum Kaiserau. Hierhin ist sie zurückgekehrt, um im Sonderlehrgang für Spieler*innen ab der Oberliga den Männern zu zeigen, dass auch Frauen zocken können.
Die gelernte Krankenschwester spielt für den SV Meppen in der 2. Frauen-Bundesliga und ist Co-Trainerin bei den U16-Jungs des NLZ Emsland und absolviert derzeit auch noch ein Fernstudium im Sport-Business Management.
Was zieht dich vom Spielfeld an den Seitenrand?Lara Hohm: (lacht) Es gibt einige Gründe. Zum einen ist mein Partner Torwarttrainer und hat mich gefragt, ob ich als Co-Trainerin bei den U16-Jungs im NLZ mitmachen wolle. Das hat großen Spaß gemacht, mir aber auch Grenzen aufgezeigt. Der C-Trainerschein reicht nur bedingt und eine weitere Qualifikation ist auf Dauer sicher sinnvoll. Da stellte sich erstmals die Frage, ob ich weiter aktiv Fußball spiele oder mich als Trainerin weiterbilde. Beides ist in der Intensität – 2. Bundesliga und Nachwuchsleistungszentrum – nicht möglich.
Wie ist die Entscheidung ausgefallen?
Hohm: Pro Trainerausbildung. Der Verein hat mir die Entscheidung allerdings auch wirklich leicht gemacht. Aus gesundheitlichen Gründen – meine Hüfte bereitet zunehmend Probleme – war ich mir nicht ganz sicher, ob ich weitermachen sollte. Meppen bot mir dann direkt an, in der kommenden Saison als Co-Trainerin bei der A-Jugend in der DFB-Nachwuchsliga einzusteigen. So ein Angebot bekommt man nicht alle Tage. Ich habe mich gefragt „Hab ich da Bock drauf“? Und die Antwort war ganz klar Ja!
Arbeit, Studium, Trainertätigkeit und noch aktive Spielerin: Wo bleibt da die Zeit für einen Trainer-Lehrgang?
Hohm: Die klassische B-Lizenz mit Präsenzwochen kam für mich nicht infrage, ganz klar, zumal ich eben jeden Tag beim Training sein wollte. Der Kompaktlehrgang des FLVW war perfekt. Als ich im Web sah, dass er nach wie vor angeboten wird, habe ich mich sofort beworben.
Als „Externe“ aus dem Meppener Land.
Hohm: Das war glücklicherweise kein Problem. 23 Jahre in Westfalen, viele davon in der Westfalenauswahl und im Mädcheninternat in Kaiserau, haben die Verantwortlichen überzeugt. Zudem habe ich alle Voraussetzungen für den Lehrgang mitgebracht und auch für das Stipendium erfüllt. Ich bin sehr froh, dass das geklappt hat.
Und warst direkt bei einem Sonderlehrgang speziell für Spieler*innen ab Oberliga dabei. War das eine besondere Herausforderung für dich?
Hohm: Im Kompaktlehrgang musste man sich seine Position erarbeiten. Es gab den einen oder anderen Spruch über Frauen und Fußball. Das waren vielleicht 20 Prozent der Teilnehmer. Die anderen waren fein damit. Als sie gemerkt haben: sie hat Ahnung, hat eine sportliche Vita und kann Zocken - ging es. Und ich habe es denn wirklich genossen. Es hat großen Spaß gemacht, mit Leuten auf gleichem Niveau zu Zocken und über Fußball zu philosophieren. Kompliment auch an die Verbandssportlehrer*innen: Wir waren wirklich in jeder Hinsicht privilegiert. Betreuung, Hausaufgaben, Praxis – alles top.
Mit Marie-Luise Eta steht die erste Frau in 1. Bundesliga an der Seitenlinie. Hat das für dich eine Signalwirkung?
Hohm: Ich finds cool, dass der Step passiert ist aber schade, dass immer noch so ein Wirbel drum gemacht wird.
Könntest du dir vorstellen, in den Profibereich zu gehen?
Hohm: Auf jeden Fall! Ich kann mir gut vorstellen, noch die A-Lizenz zu machen, aber auch B+. Ich muss noch sehen, ob ich in den Jugend- oder Seniorenbereich gehe. Zunächst heißt es, Erfahrungen zu sammeln, und dann werde ich entscheiden, wo ich mich wirklich sehe.
In der kommenden Saison dann aber eher neben als auf dem Platz?
Hohm: Das war schon eine sehr emotionale Entscheidung. Aber ich werde nicht ganz aufhören, sondern für Langenhorst-Welbergen spielen und damit auch wieder in Westfalen. Ganz ohne geht halt nicht.
Vielen Dank für das Gespräch!
[FLVW.de]
