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Felix Weller im Einsatz bei der Drittliga-Partie Rot-Weiss Essen gegen 1860 München im August 2025.
Nach drei Jahren in der 3. Liga geht es für Felix Weller aus dem FLVW-Kreis Siegen-Wittgenstein eine Liga aufwärts. Im Interview verrät der 30-jährige Unparteiische, was ihm dieser Aufstieg bedeutet, und warum es wichtig ist, sich nicht unterkriegen zu lassen.
Wie sehr hast du dich über den Aufstieg gefreut?
Felix Weller: Wenn man mir vor fünf, sechs Jahren gesagt hätte, dass ich es in die zweite Liga schaffe, hätte ich es wahrscheinlich nicht ernst genommen. Es ist eine Bestätigung der Leistung und eine Belohnung für den Aufwand, den man all die Jahre reingesteckt hat. Deswegen bedeutet mir das schon sehr, sehr viel.
Du hast den Aufstieg nach nur drei Jahren in der 3. Liga geschafft. Wie beurteilst du diese Zeitspanne?
Weller: Die ersten beiden Jahre liefen schon gut. Das dritte Jahr war, glaube ich, das Jahr, wo es sich entschieden hat, ob es bei mir hochgeht. Und deswegen bin ich mit der Dauer in der dritten Liga auf jeden Fall zufrieden, damit liege ich im Durchschnitt. Der eine schafft es etwas schneller, der andere braucht etwas länger. Für manche geht es auch nicht weiter nach oben. Insofern bin ich sehr froh, dass ich es geschafft habe.
DFB-Schiedsrichter-Lehrwart Lutz Wagner hat deine positive Art hervorgehoben, wie du auf dem Platz auf die Leute zugehst. Kannst du das bestätigen?
Weller: Erstmal freue ich mich über das Lob von ihm. Das hört man gerne. Ich glaube schon, dass das in der Kommunikation mit den Spielern ein Stück weit mein Markenzeichen ist. Ich bin jetzt keiner, der von oben herab auftritt, sondern ich will meine Entscheidungen eher auf Augenhöhe und verständlich rüberbringen. Damit bin ich die letzten Jahre auch gut gefahren.
Welche Highlight-Spiele gab es aus deiner Sicht in der vergangenen Saison?
Weller: Da waren schon einige coole Spiele dabei. Neben dem Eröffnungsspiel zwischen Rot-Weiss Essen und 1860 München und dem Rückspiel in München, würde ich noch die Partie kurz vor Saisonende zwischen dem FC Ingolstadt und dem VfL Osnabrück dazuzählen, wo es um den Aufstieg ging. Und Viktoria Köln gegen Hansa Rostock, wo ich insgesamt dreimal auf Strafstoß entschieden habe. Das ist auch ungewöhnlich. Zum Glück bin ich mit allen Elfmetern richtig gelegen (schmunzelt).
Die 2. Bundesliga kennst du bereits als Assistent. Inwiefern ist das aber nochmal anders, wenn man die Spiele selbst leitet?
Weller: Ich glaube, es ist zum einen etwas anderes von der Schnelligkeit her, zum anderen steht man als Hauptschiedsrichter noch mehr im öffentlichen Fokus und hat dementsprechend mehr öffentlichen Druck als ein Linienrichter oder Assistent.
In der 3. Liga hattest du in der vergangenen Saison dein festes Gespann mit Henry Schröder und Florian Lukawski. Du bekommst jetzt neue Assistenten. Inwiefern wird das auch nochmal eine Herausforderung?
Weller: Da muss man sich als Team nochmal neu einspielen. Ich glaube, das ist wie bei Mannschaften auch, wenn sie in der Vorbereitung neu zusammenfinden müssen. Wir werden auch bereits in der Vorbereitung ein, zwei Spiele zusammen machen. Da beschnuppert man sich ein bisschen und findet raus, wie die anderen ticken. Wenn man grundliegende Sachen besprochen hat, geht es aber meist relativ schnell. Mit der Anzahl der Spiele kann man sich dann immer mehr auf die anderen verlassen. Ich bin da immer optimistisch, dass das relativ schnell klappen wird.
Felix Weller (.) wurde 2023 als Westfalens Nachwuchs-Schiedsrichter des Jahres ausgezeichnet [Foto: FLVW]. Ein weiterer wichtiger Unterschied ist, dass du ab jetzt auch mit dem Video-Assistent-Referee kommunizieren wirst. Den VAR gibt es ja in der 3. Liga nicht. Werdet ihr da auch noch mal besonders geschult? Und wie siehst du dem entgegen?
Weller: Also ich sehe dem erstmal positiv entgegen, weil es wie so eine Art Sicherheitsnetz ist, was man mit dem VAR dazugewinnt. Klar muss man die eigentliche Entscheidung selbst am Platz treffen, weil davon auch die internen Bewertungen abhängen. Aber im Endeffekt ist es ganz gut, wenn man vor einer falschen Entscheidung bewahrt werden kann. Wir werden noch mal bei den Sommerlehrgängen geschult und wir gehen an den ersten Spieltagen auch noch mal in den Videoassistent-Center rein, um uns da die Abläufe anzugucken. Da werden wir dann vor Ort ein- oder zweimal den Livebetrieb miterleben.
Felix Zwayer wird als deutscher Schiedsrichter bei der WM im Einsatz sein. Daniel Siebert hat kürzlich das Finale der Champions-League geleitet. Inwiefern guckst du solche Spiele unter anderen Gesichtspunkten als ein normaler Zuschauer?
Weller: Ich versuche schon erstmal als neutraler Zuschauer zu gucken. Aber man achtet natürlich auf den Schiri. Welche Entscheidungen trifft er? Wie sind seine Laufwege? Wie ist die Abstimmung mit den Assistenten? Wenn man ein Fußballspiel guckt, dann ist das auch immer eine Art Fortbildung, würde ich sagen. Je mehr Fußball man guckt, desto mehr Situationen kriegt man mit, desto größer wird der Erfahrungsschatz. Deswegen macht es schon Sinn, immer ein bisschen auf den Schiri zu gucken. Das kann einen eigentlich nur weiterbringen.
Gibt es Vorbilder im Schiedsrichter-Bereich oder Unparteiische, an denen du dich orientierst?
Weller: Ich habe jetzt keinen Schiri, wo ich sagen würde, ich will genauso pfeifen wie der, weil ich glaube, jeder Schiri ist individuell. Es war noch nie mein Ding, jemanden nachzuahmen. Ich muss aber sagen, in meiner ersten Saison als Zweitliga-Assistent, war ich bei Frank Willenburg an der Linie. Mir hat seine Ruhe und Ausstrahlung imponiert. Mit welcher Ruhe er die Spiele geleitet hat, das hat mich ein bisschen geprägt, weil ich glaube, ich bin auch ein Schiri, der eher ruhig ist und sich nicht den Vordergrund spielt.
Welche Ziele hast du noch?
Weller: Ja, also ich glaube, erst mal ist es wichtig, in der 2. Bundesliga Fuß zu fassen und anzukommen. Dann ist es natürlich so, dass man auch Sportler ist und ich glaube, als Sportler sollte man immer Ziele haben. Wenn man jetzt schon in der zweiten Liga ist, dann will man natürlich auch irgendwann, wenn es irgendwie geht, in die Bundesliga hoch. Es ist natürlich schwierig, weil auch immer weniger Plätze frei werden. Aber zumindest sollte man das Ziel oder den Traum haben, das weiter zu verfolgen.
Was würdest du jungen Referees mitgeben, die es ebenfalls in höhere Ligen schaffen wollen?
Weller: Das Allerwichtigste ist Spaß zu haben, das sage ich auch immer meinen Assistenten vor dem Spiel. Egal wie hoch der Druck ist und wie viel auf dem Spiel steht. Wichtig ist, dass man Spaß hat, Freude an dem ganzen Hobby. Und man sollte sich nicht unterkriegen lassen. Durch negative Erfahrungen kann man richtig viel lernen. Selbst wenn man irgendwann denkt, okay, ich glaube, ich komme nicht mehr weiter, ist es so, dass sich dann vielleicht doch noch eine Tür öffnet. Ich hatte das selbst auch gesehen, als ich zwischenzeitlich dachte, okay, Regionalliga ist vielleicht jetzt Endstation. Und auf einmal ging dann doch die Tür auf, und es ging weiter nach oben. Also da sollte man nie die Hoffnung eigentlich begraben.
Vielen Dank für das Gespräch!
Zur Person:
Felix Weller kommt aus Neunkirchen aus dem FLVW-Kreis Siegen-Wittgenstein und pfeift für den FC Freier Grund. Der 30-jährige Bankkaufmann ist seit der Saison 2023/24 als Schiedsrichter in der 3. Liga tätig (38 Einsätze), sowie als Assistent in der zweithöchsten deutschen Spielklasse (29 Einsätze). Ab der kommenden Saison wird Weller in der 2. Bundesliga hauptverantwortlich Spiele leiten.
Weitere Informationen:
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