Quelle: Flvw.de
Jana Weiler (li.) hier auf einem Inklusionsturnier bei der Siegerehrung mit Annike Krahn (re.).
Im Rahmen der bundesweiten Women’s Week des DFB und seiner Landesverbände rückt der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) Frauen in den Mittelpunkt, die den Fußball in Westfalen mitgestalten – auf und neben dem Platz. Eine von ihnen ist Jana Weiler. 19 Jahre alt, Spielerin in der Inklusionsmannschaft von Blau Weiß Aasee und Athlet*innen-Vertreterin in der Kommission Inklusion des FLVW.
Ein Leben ohne den Fußball ist für sie nicht vorstellbar – da spielt es auch keine Rolle, dass sie an einer Cerebralparese leidet, Schäden in ihrem Hirn beeinträchtigen ihre Bewegungskoordination. Auch das Sprechen fällt ihr schwer. Nun will sie mehr Mädchen und junge Frauen mit Handicap ermutigen, mit dem Fußballspielen anzufangen. Deshalb will sie Trainerin werden und hat im April ihre Ausbildung zum DFB-Junior Coach gestartet. Die Inhalte sind auf den Schul- und Kinderfußball ausgerichtet. Das passt wunderbar, denn Weiler macht gerade in einem Kindergarten ihre Ausbildung zur Erzieherin."Viele der Kinder, die wir dort betreuen, lieben den Fußball", sagt sie. "Ich möchte gerne eine AG ins Leben rufen, um auch den Kleinsten im Kindergarten das Fußballspielen zu ermöglichen." Aber der DFB-Junior Coach soll nur der erste Schritt sein. Weiler hat große Ziele. "Ich will Bundestrainerin werden", sagt sie und muss lachen. Realistischer ist natürlich, dass sie als Trainerin zunächst an der Basis anfängt und in der Nähe ihres Wohnortes vielleicht eine Mädchenmannschaft trainiert. Sie selbst spielt in der Inklusionsmannschaft bei Blau Weiß Aasee und das trotz – oder vielleicht auch gerade wegen – ihrer körperlichen Einschränkungen mit großer Leidenschaft.
"Die Jungs wollen immer Tore schießen"
"Ich liebe diesen Sport schon immer. Bereits als kleines Kind habe ich meine Eltern damit genervt, dass ich Fußball spielen möchte", sagt sie. "Lange hatte ich dazu leider nicht die Möglichkeit. Vor sieben Jahren bin ich schließlich zu Blau-Weiß Aasee gekommen. Dort ist mein großer Wunsch wahr geworden."Bei dem Verein aus dem Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) ist Weiler eine wichtige Stütze der Inklusionsmannschaft. Sie spielt am liebsten in der Abwehr. "Die Jungs wollen immer die Tore schießen, ich versuche gegnerische Treffer zu verhindern", sagt sie. "Außerdem kann man aus der Abwehr heraus viel mehr Einfluss auf das Spiel nehmen. Das macht mir Spaß." Weiler übernimmt gerne Verantwortung. Wenn der Ball rollt, aber auch abseits des Rasens.
Jana Weiler bringt sich ein

Jana Weiler (mittig) ist auch in der Kommission Inklusion des FLVW aktiv.
Dietmar Sonius ist Trainer bei Blau-Weiß Aasee und gleichzeitig Inklusionsbeauftragter im FLVW. Für den 67-Jährigen ist Jana Weiler ein Paradebeispiel dafür, wie sich Menschen trotz ihrer Einschränkungen aktiv ins Vereinsleben einbringen können. "Aus meiner Sicht sind Spielerinnen und Spieler aus Inklusionsmannschaften perfekt geeignet, um eine Mannschaft zu trainieren oder im Verein zu helfen. Wir suchen doch alle eherenamtliche Unterstützung", sagt Sonius.
Eins ist klar: Weiler macht es Spaß, sich zu engagieren. Wenn es um Fußball geht, ist sie für alles zu haben. Weil sie davon einfach nicht genug bekommen kann, spielt sie seit einem halben Jahr auch für die inklusive Frauenmannschaft des Franz Sales Hauses in Essen. Menschen mit geistiger, psychischer und mehrfacher Behinderung werden dort in fast allen Lebensbereichen unterstützt. Der Sport und speziell der Fußball sind wichtige Eckpfeiler in der Arbeit vor Ort.
Der Traum vom "normalen" Spielbetrieb
Aber Weiler hat noch einen weiteren Traum, den sie sich bisher nicht erfüllen konnte. In zwei Mannschaften ist sie bereits dabei. Das reicht ihr aber nicht. Sie möchte Teil eines Frauenteams werden, das im geregelten Spielbetrieb dabei ist. Einen ersten Anlauf hatte sie bereits unternommen. Aber der endete mit einer Enttäuschung, als der Trainer ihr mitteilte, dass das mit ihren Einschränkungen nicht funktionieren wird.Sie lässt sich davon jedoch nicht unterkriegen. "Mir geht es gar nicht in erster Linie darum, jedes Wochenende in der Startelf zu stehen", sagt sie. "Mir ist die Gemeinschaft viel wichtiger. Ich möchte auf diesem Weg Kontakte knüpfen und neue Menschen kennenlernen. Der Mannschaftssport ist dafür die beste Möglichkeit." Dass sie dann auch zweimal in der Woche zum Training kommen kann, ist ein schöner Nebeneffekt, den sie gerne mitnimmt. Denn fußballverrückt ist Jana Weiler im allerbesten Sinne.
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