Deutschland hat eine neue Sprint-Königin – und diese kommt vom TV Wattenscheid 01 aus dem Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW). Jolina Ernst setzte sich am Wochenende bei den 126. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften sensationell die Krone über 100 Meter auf.
Dabei schlug Jolina Ernst unter anderem Gina Lückenkemper (Bronze / 11,29 Sek.) und die Jahresbeste Rebekka Haase. Bei 11,26 Sekunden blieb die Uhr für die 22-jährige stehen, das bedeutete neue persönliche Bestzeit – und einen wahrhaft kleinen Abstand zur Zweitplatzierten Emma Goretzka (LAC Berlin). Drei tausendstel Sekunden betrug der Unterschied. Dabei war der Tag für Jolina Ernst gar nicht so gut gelaufen – die Sprinterin des TV Wattenscheid 01 hatte sich nur knapp für das Finale qualifiziert. „Aber das zeichnet sie aus“, sagte ihr Trainer und Vater André Ernst, „sie kann alles ausblenden, was vorher war und sich sagen, ich will das unbedingt, und das auf den Punkt.“Entsprechend groß war der Jubel bei Tochter Jolina, die in den Wochen zuvor bereits Silber über 100 Meter und über 200 Meter bei der U23-DM an gleicher Stelle holen konnte: „Ich kann ehrlich gesagt noch gar nicht richtig beschreiben, wie es mir geht. Einfach unglaublich gut – und ich bin auch sehr überrascht, muss ich sagen. In den letzten Wochen hat leider nicht alles geklappt, wie ich mir das vorgestellt hatte. Deshalb habe ich heute überhaupt nicht mit diesem Ergebnis gerechnet. Es ist einfach mega. Vor allem, dass ich den Sieg vor meinen ganzen Freunden und meiner Familie holen konnte, bedeutet mir unfassbar viel. Das macht diesen Erfolg einfach noch einmal ganz besonders“, sagte sie gegenüber leichtathletik.de.

Verena Meisl gewann auf der heimischen Bahn die Silbermedaille [Fotos: FLVW].
1.500 Meter: Meisl mit Silber, geschwächter Probst auf undankbarem vierten Rang
Für das zweite Edelmetall der Gastgeber sorgte Verena Meisl über 1.500 Meter. In einem typischen, von Taktik geprägten Meisterschaftsrennen überholte sie auf den letzten Metern noch eine vor ihr liegende Läuferin, für ganz vorn reichte es leider nicht mehr. Dennoch hat Verena Meisl ein Ziel erreicht: Eine andere Medaillenfarbe als Bronze. Die Zeit für die deutsche Jahresbeste: 4:21,93 Minuten. „Ich bin überglücklich“, sagte sie kurz nach dem Rennen, „nach zwei dritten Plätzen konnte ich jetzt Silber gewinnen. Die heimische Kulisse hat mich total beflügelt. Und ich habe dieses Jahr gezeigt, dass ich einen großen Schritt nach vorne gemacht habe. Im nächsten Jahr will ich dann da weitermachen, wo ich jetzt aufgehört habe.“
Vereinskollege Marius Probst musste sich über die gleiche Distanz mit dem ungewohnten vierten Platz begnügen. Zum ersten Mal seit Jahren kam der vielfache Deutsche Meister nicht aufs Treppchen und wurde im Sprint zum Schluss noch überholt. Seine Zeit: 3:41,18 Minuten und Rang vier. Der etwas kraftlose Auftritt hatte allerdings seinen Grund: „Ich habe mich eigentlich von Start an schlecht gefühlt, schwach gefühlt, ich hatte vor ein paar Tagen noch eine Magen-Darm-Erkrankung, die mich dann doch mehr zurückgeworfen hat, als mir lieb war. Aber gut, es sind Deutsche Meisterschaften zu Hause und ich hätte hier gern eine Show, einen Fight geliefert. Aber ich habe dann doch sehr schnell gemerkt, dass mir die Substanz fehlt“, sagte ein sichtlich angeschlagener Marius Probst nach seinem Rennen.

Falk Wendrich springt auf Rang zwei.
Wendrich, Herrmann und Christ springen aufs Podium
Erfreulich aus westfälischer Sicht war die Ausbeute im Hochsprung: Falk Wendrich vom LAZ Soest holte Silber, Joana Herrmann (SV Teuto Riesenbeck) Bronze. Wendrichs 2,15 Meter im zweiten Anlauf reichten für Rang zwei. Der Deutsche Hallenmeister scheiterte wie der neue deutsche Meister Tobias Potye (2,15 m im ersten Versuch) an der Höhe von 2,19 Metern. „Ich bin absolut nicht zufrieden mit dem Wettkampf. 2,19 Meter sind keine Höhe, bei der ich das Gefühl habe, dass ich über mich hinauswachsen muss. Das war ein verrückter Wettkampf. Ich hatte den Fehlversuch bei 2,15 Meter, dann einen Riesensprung über 2,15 Meter, bei dem ich mich wirklich leicht gefühlt habe und dachte, dass ich heute vielleicht die direkte EM-Norm angreifen kann. Ich bin echt froh, dass ich die direkte Bestätigungsnorm schon vorher erreicht habe“, sagte Falk Wendrich.
Spannend machte es in der weiblichen Konkurrenz Joana Herrmann vom SV Teuto Riesenbeck. Die U23-Athletin erzielte wie schon vor wenigen Wochen bei der Nachwuchs-DM im Lohrheidestadion 1,83 m und den Bronze-Titel. Den Platz auf dem Podium teilte sie sich zusammen mit Ella Obeta (LG Nord Berlin).

Tabea Christ landet hinter Olympiasiegerin Malaika Mihambo auf Rang drei.
Im Weitsprung hatte die LG Brillux Münster gleich zwei Eisen im Feuer: Tabea Christ gewann mit windunterstützten (+4,7 m/sec) 6,52 Metern Bronze hinter Mikaelle Assani (Karlsruher SC / 6,67 m) und Olympiasiegerin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz / 6,63 m). Luka Herden verpasste trotz Saisonbestleistung (7,86 m) den Sprung aufs Treppchen und wurde Vierter. Vereinskollege Lukas Kleinschrodt, der noch in der U23 startet und hier kürzlich DM-Silber gewann, wurde über 110 Meter Hürden ebenfalls Vierter und erzielte mit 14,02 Sekunden eine neue persönliche Bestzeit.
Im Diskuswerfen der Frauen war der TV Wattenscheid 01 gleich mit vier Athletinnen vertreten – und das bei einem Wettkampf auf allerhöchstem Niveau. Joyce Oguama wurde als beste Wattenscheiderin Vierte, mit einer Weite von 60,13 Metern. „Ich bin schon zufrieden damit, ich wollte in Deutschland noch mal eine gute Weite werfen. Ich freue mich, gerade bei diesem Niveau“, sagte Joyce Oguama, die derzeit in den USA ihren Master macht, „ich hatte eine lange Saison, die ist jetzt vorbei. Jetzt bleibe ich noch zehn Monate in Amerika, dann komme ich nach Deutschland zurück, for ever.“
Julia Ritter kam auf Platz sechs, bei einem ihrer zuletzt selten gewordenen Auftritte mit dem Diskus (im Kugelstoßen landete sie auf Rang fünf). Sie zeigte ihre beste Leistung des Jahres, kam auf eine Weite von 57,53 Metern. goldgas Talent des Jahres Favour Adesokan wurde Achte, nachdem sie in den Altersklassen U20 und U23 jeweils Gold und Silber geholt hatte, mit einer Weite von 53,74 Meter.

Erfolgreiche Nachwuchs-Staffel: Die Startgemeinschaft Recklinghausen/Hamm.
Zwei Bronze-Medaillen für westfälische Nachwuchs-Staffeln
Im Rahmen der Deutschen Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid wurden am Samstag und Sonntag auch die deutschen U20-Meistertitel über 4x400 Meter und 3x800 Meter (weibliche Jugend) beziehungsweise 3x1.000 Meter (männliche Jugend) vergeben. Hierbei gewann das Trio der LG Olympia Dortmund Bronze über 3x1.000 Meter. Die goldgas Talente Aik Straub, Theo Gröver und Karl Luis Eickmeyer hatten in 7:33,66 Minuten den ersten Zeitlauf gewonnen. In deutscher Rekordzeit gewann der TuS Köln rrh. vor dem Trio aus Dresden.
Über 4x400 Meter der männlichen U20 stieg vor dem dritten Lauf die Spannung: Würden die Titelverteidiger von der Startgemeinschaft Recklinghausen/Hamm die Zeit des SSV Ulm unterbieten? Schlussläufer und goldgas Talent Jonathan Perner, der vergangene Woche erst bei der U18-EM in Rieti (Italien) das Halbfinale über 400 Meter erreicht hatte, gab auf den letzten Metern noch einmal alles und machte den Laufsieg klar. In 3:19,04 Minuten war das Quartett mit Anthony Ratayczak, Patrizio Paschek, Nick Bo Sluyter und Jonathan Perner allerdings nicht ganz so schnell wie die beiden Staffeln – SSV Ulm und Eintracht Frankfurt – aus dem zweiten Lauf. So gewannen die Startgemeinschaft Bronze, eine Hundertstel vor dem Team aus Leverkusen.
Rutsch springt bereits am Donnerstag zu Bronze
Für die erste westfälische Medaille sorgte bereits am Donnerstag Constantin Rutsch. Bei den in Hannover im Rahmen der "Finals" ausgetragenen Stabhochsprung-Wettbewerben holte der Stab-Artist der LG Olympia Dortmund überraschend DM-Bronze. Mit seinen 5,30 Meter im zweiten Versuch sprang der Dortmunder auf den dritten Platz hinter Fabio Wünsche (SC Potsdam / 5,30 m im ersten Versuch) und Marec Metzger (TSV Gräfelfing / 5,40 m).
„Sehr, sehr geiler Wettkampf hier in Hannover vor einer endgeilen Kulisse, es hat riesig Spaß gemacht! Die Höhen sind leider nicht so, wie sie sein sollten bei einer Deutschen Meisterschaft. Aber wir haben uns alle hingestellt und haben es versucht. Am Ende stehen wir drei da. Ich freue mich riesig über meine Medaille!“, sagte ein überglücklicher Constantin Rutsch nach dem Wettkampf auf leichtathletik.de.
Weitere Informationen:
- Alles zur DM auf leichtathletik.de
- Höhepunkt des Leichtathletik-Sommers in Wattenscheid
- Großer DM-Showdown mit 38 Entscheidungen im Lohrheidestadion
[leichtathletik.de, TV Wattenscheid & FLVW.de]

