Quelle: privat
Paul Schmidt war als Mittelstreckler und Bundestrainer erfolgreich.
Der Sport hat Paul Schmidt offensichtlich fit gehalten, denn der frühere Weltklasseläufer des OSV Hörde feierte am vergangenen Wochenende (9. August) seinen 95. Geburtstag. Trotz seines fortgeschrittenen Alters ist er sportlich immer noch aktiv. Regelmäßiges Geh- und Radtraining sowie Schwimmen und Kraftübungen bilden für ihn wichtige Bestandteile seines Fitness-Programms.
Selbst 80-Jährige, die ihren Lebensstil neu ausrichten, können laut Paul Schmidt mit einer aktiven Lebensgestaltung noch Zufriedenheit und Lebenszeit gewinnen. Noch besser sei es seiner Meinung, mit Sport möglichst früh zu beginnen. „Am besten im Kindesalter“, rät Schmidt.
Der spätere Weltklasse-Mittelstreckler begann selbst als Schüler. Zunächst turnte er und spielte Handball. „Gerade die vielseitige turnerische Ausbildung mit den koordinativen Elementen war für mich eine wertvolle Basis, die mich später als Läufer vorangebracht hat“, betont Paul Schmidt.
Der spätere Weltklasse-Mittelstreckler begann selbst als Schüler. Zunächst turnte er und spielte Handball. „Gerade die vielseitige turnerische Ausbildung mit den koordinativen Elementen war für mich eine wertvolle Basis, die mich später als Läufer vorangebracht hat“, betont Paul Schmidt.
Vom Autodidakt zum Bundestrainer
Zum Laufen kam er, als er als Schüler ganz unbefangen bei einem Turn- und Sportfest in Herford einen Waldlauf über 3.000 Meter gewann. Das war für ihn eine Initialzündung. Fortan war er als Autodidakt sein eigener Trainer, nahm aber gern Ratschläge von Experten an. Dazu gehörte auch Bert Sumser (1913-2009), damals Cheftrainer bei Bayer 04 Leverkusen und später unter anderem Trainer von Armin Hary und Kurt Bendlin.

Paul Schmidt betreute die Dortmunder Athleten Martin Hedtkamp, Günter Schrogl, Hans-Wilhelm Dubielczyk und Werner Niederquell bei einem Trainingslager in der Lüneburger Heide [Foto: P. Middel].
Paul Schmidt kam über Vereinsstationen bei der Bielefelder Turngemeinde und dem DSC Arminia Bielefeld 1956 nach Dortmund zum OSV Hörde. In der Westfalen-Metropole ging es mit ihm steil bergauf. So stellte der Dortmunder am 21. September 1959 beim Länderkampf gegen Polen in Köln über 800 m mit 1:46,2 Minuten einen neuen Europarekord auf. Mit dieser Leistung, mit der er damals die 1:46,6 Minuten des legendären Rudolf Harbig (800m-Weltrekordler von 1939 bis 1955) um 0,4 Sekunden unterbot, würde er auch heute noch zur absoluten Spitze im DLV zählen – und das trotz der modernen Kunststoffbahnen, einer besseren medizinischen Betreuung und neuer Trainingsmethoden. „Wir haben uns damals das Durchbeißen und unsere Härte in der Nachkriegszeit geholt“, meint Paul Schmidt, der seine Kindheit in Groß-Nebrau, einem Dorf in Westpreußen verbrachte. Im harten Winter 1944/45 floh seine Mutter mit sechs Kindern über die Eisschollen der Weichsel in den Westen.

Paul Schmidt betreute die Dortmunder Athleten Martin Hedtkamp, Günter Schrogl, Hans-Wilhelm Dubielczyk und Werner Niederquell bei einem Trainingslager in der Lüneburger Heide [Foto: P. Middel].
Paul Schmidt kam über Vereinsstationen bei der Bielefelder Turngemeinde und dem DSC Arminia Bielefeld 1956 nach Dortmund zum OSV Hörde. In der Westfalen-Metropole ging es mit ihm steil bergauf. So stellte der Dortmunder am 21. September 1959 beim Länderkampf gegen Polen in Köln über 800 m mit 1:46,2 Minuten einen neuen Europarekord auf. Mit dieser Leistung, mit der er damals die 1:46,6 Minuten des legendären Rudolf Harbig (800m-Weltrekordler von 1939 bis 1955) um 0,4 Sekunden unterbot, würde er auch heute noch zur absoluten Spitze im DLV zählen – und das trotz der modernen Kunststoffbahnen, einer besseren medizinischen Betreuung und neuer Trainingsmethoden. „Wir haben uns damals das Durchbeißen und unsere Härte in der Nachkriegszeit geholt“, meint Paul Schmidt, der seine Kindheit in Groß-Nebrau, einem Dorf in Westpreußen verbrachte. Im harten Winter 1944/45 floh seine Mutter mit sechs Kindern über die Eisschollen der Weichsel in den Westen.
Dortmunder Rekord für die Ewigkeit?
Paul Schmidt, der sich immer noch eng mit der Dortmunder Leichtathletik verbunden fühlt, gewann auf internationalem Parkett bei den Europameisterschaften 1958 in Stockholm und 1962 in Belgrad über 800m jeweils EM-Bronze. Bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom ging ihm als Viertem auf der Zwei-Runden-Distanz in 1:47,6 Minuten der Traum von einer Medaille jedoch nicht in Erfüllung.1964 beendete Schmidt aufgrund seiner lädierten Achillessehne seine erfolgreiche Laufbahn, absolvierte eine Sportlehrer-Ausbildung in Saarbrücken und engagierte sich von 1965 bis 1996 mit großem Erfolg als Bundestrainer und später auch als Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Zu seinen Top-Athleten gehörten damals unter anderem Walter Adams, Franz-Josef Kemper, Bodo Tümmler, Thomas Wessinghage, Willi Wülbeck und Paul-Heinz Wellmann.

Paul Schmidt bei einer Übungsleiter-Fortbildung im SportCentrum Kaiserau [Foto: privat].
Paul Schmidt, der seinen Ruhestand in Baden-Baden verbringt, verfolgt noch aufmerksam die Leichtathletik-Szene und drückt den DLV-Athletinnen und Athleten bei den Europameisterschaften in Birmingham fest die Daumen.
Seine 800m-Bestzeit von 1:46,2 Minuten ist in der Dortmunder Kreisrekordliste wie in Stein gemeißelt, denn die einheimischen Mittelstreckler bissen sich in den vergangenen 68 Jahren die Zähne daran aus. Wahrscheinlich ist das ein Rekord für die „Ewigkeit“. Im vergangenen Jahr erreichte auf der Zwei-Runden-Distanz Paul Gröver zum Vergleich als schnellster Dortmunder 1:51,94 Minuten.
[Peter Middel]

