Quelle: O. Cosgun
Die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter sowie Coaches des Perspektivteams.
Traditionell startete das Perspektivteam (PT) des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) mit einem gemeinsamen Lehrgang in die neue Saison. Am letzten August-Wochen kamen die Perspektivteam-Schiedsrichterinnen und Perspektivteam-Schiedsrichter sowie die Coaches im SportCentrum Kaiserau zusammen. Zwei Tage lang standen aktuelle Themen, Regeländerungen sowie theoretische und praktische Inhalte rund um das Schiedsrichterwesen auf dem Programm.
Nach der Begrüßung durch die Lehrgangsleitung ging es direkt in die erste Arbeitseinheit. Zum Auftakt absolvierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Konformitätstest. Dabei wurde ihnen eine Spielszene per Video präsentiert, zu der sie innerhalb kürzester Zeit eine Entscheidung treffen mussten – ähnlich wie in einer realen Spielsituation auf dem Platz.Der Test diente nicht nur der Überprüfung des Regelwissens; vielmehr ging es darum, die eigene Wahrnehmung zu schärfen, Spielsituationen schnell einzuordnen und die Regelauslegung auch unter Zeitdruck sicher anzuwenden. Die Ergebnisse boten zugleich eine gute Grundlage für die weiteren theoretischen Inhalte des Lehrgangs.
Sprintvermögen und Laufverhalten im Fokus
Kurz darauf rückte ein für Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter besonders wichtiges Thema in den Mittelpunkt: das Sprint- und Laufvermögen. Zu diesem Bereich referierte der Sportwissenschaftler Sebastian Nowak. Er ist als Leitender Landestrainer für den FLVW tätig und gehört seit 2017 zum Athletik-Team der DFB-Schiedsrichter. Durch seine langjährige Erfahrung kennt er die besonderen Anforderungen des Schiedsrichterwesens und konnte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die theoretischen Grundlagen verständlich und praxisnah vermitteln.Im Mittelpunkt standen unter anderem die körperlichen Anforderungen während einer Spielleitung sowie die Frage, wie Laufwege und Sprints gezielt und effizient eingesetzt werden können. Nach dem theoretischen Teil folgte die praktische Umsetzung. Auf der Laufbahn und dem Sportplatz konnten die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter die zuvor vermittelten Inhalte unmittelbar ausprobieren und erhielten dabei konkrete Rückmeldungen.
So wurde deutlich, welchen Stellenwert ein gezieltes Lauf- und Sprinttraining für die Leistungsfähigkeit und damit auch für eine gute Spielleitung besitzt.

Sven Wensing, Ali Magrouda, Jonas Grütter und Jan Berkemeier wurden im Rahmen des Lehrgangs offiziell verabschiedet [Fotos: O. Cosgun].
Der Saisonauftakt bot zudem Gelegenheit, sich von ehemaligen Mitgliedern des Perspektivteams zu verabschieden. Sven Wensing, Ali Magrouda, Jonas Grütter und Jan Berkemeier wurden im Rahmen des Lehrgangs offiziell verabschiedet. Dass ehemalige Mitglieder zum Saisonauftakt noch einmal nach Kaiserau eingeladen werden, hat im Perspektivteam mittlerweile Tradition. Sie nahmen letztmalig an den Lehrgangsinhalten teil, tauschen sich mit den aktuellen Mitgliedern aus und verbrachten das Wochenende gemeinsam mit dem Team.
Auch Coach Willy Westphal verabschiedet
Neben den vier Schiedsrichtern wurde auch Coach Willy Westphal verabschiedet. Er gehörte seit den Anfangsjahren zum Perspektivteam und hatte dessen Entwicklung in dieser Zeit maßgeblich begleitet und mitgestaltet. Zum Saisonauftakt war Willy Westphal noch einmal herzlich eingeladen und nahm gemeinsam mit dem Team am Lehrgang teil. So konnte er die letzten Tage im Perspektivteam noch einmal in gewohnter Runde verbringen.Waldemar Stor betonte dabei die Bedeutung von Westphals langjähriger Expertise: „Willys Einschätzung hat uns immer sehr geholfen – ganz gleich, ob in der Kreisliga, Bezirksliga, Westfalenliga oder darüber hinaus. Er war von Beginn an Teil des Kaders und hat das Perspektivteam in der Form, wie wir es heute kennen, entscheidend mitgeprägt. Wir bedauern sein Ausscheiden sehr, freuen uns aber gleichzeitig, dass Willy dem Schiedsrichterwesen auch außerhalb des Perspektivteams erhalten bleibt.“

Der langjährige Coach Willy Westphal wurde von Waldemar Stor verabschiedet.
Grütter übergibt die Kapitänsbinde an Emde
Eine weitere Veränderung gab es bei der Position des Gruppensprechers. Jonas Grütter hatte diese Aufgabe bislang übernommen und fungierte dabei als wichtige Kommunikationsbrücke zwischen den Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern und der PT-Leitung.Darüber hinaus ist der Gruppensprecher ein wichtiger Ansprechpartner innerhalb des Teams und trägt dazu bei, die Gemeinschaft der Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter zu stärken. Mit seinem Ausscheiden aus dem Perspektivteam übergab Grütter die obligatorische Kapitänsbinde an Thomas Emde aus Bochum. Er wird künftig als Gruppensprecher die Interessen der Gruppe vertreten und als Ansprechpartner für die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter fungieren.

Thomas Emde ist neuer Gruppensprecher. Er nahm die symbolische Kapitänsbinde von Jonas Grütter in Empfang.
Coaches entwickeln gemeinsame Ansätze
Im weiteren Verlauf des Lehrgangs teilte sich die Gruppe. Während die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter an weiteren Inhalten arbeiteten, kamen die Coaches zu einer eigenen Einheit zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Erwartungen an die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter bestehen und welchen Anspruch die Coaches an ihre eigene Arbeit haben. Auch der Umgang mit Druck und besonderen Herausforderungen während einer Saison wurde thematisiert.Gemeinsam wurden Ansätze erarbeitet, wie die Zusammenarbeit zwischen Schiedsrichterinnen, Schiedsrichtern und Coaches weiter verbessert werden kann. Der Austausch sollte dabei helfen, die Begleitung der Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter noch individueller und zielgerichteter zu gestalten.
Aktuelles und Regeländerungen
Nach dem Mittagessen wartete ein weiterer wichtiger Programmpunkt auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Im Mittelpunkt standen aktuelle Szenen aus dem Profi-Fußball und die anzuwendende Regelauslegung. Darüber hinaus wurden die Regeländerungen zur Saison 2026/27 intensiv behandelt. Offene Fragen und mögliche Unklarheiten wurden gemeinsam geklärt, um für die kommende Spielzeit einen möglichst einheitlichen Standard in der Regelauslegung zu schaffen.
Nils Hasse, Hansjörg Rommel und Waldemar Stor zogen ein positives Fazit des Lehrgangs.
Zum Abschluss des Tages stand das Bundesliga-Spiel von Borussia Dortmund gegen den Hamburger SV auf dem Programm. Die Begegnung wurde dabei auch aus schiedsrichterlicher Perspektive betrachtet.Gleichzeitig bot der gemeinsame Fußballabend eine gute Gelegenheit, den Tag in entspannter Atmosphäre ausklingen zu lassen. Abseits von Lehrgangsinhalten und Schiedsrichterthemen kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer miteinander ins Gespräch, lernten sich noch besser kennen und stärkten damit auch die Gemeinschaft innerhalb des Perspektivteams.
Theorie trifft Praxis
Nach der gemeinsamen Laufeinheit und dem Frühstück folgte die gemeinsame Spielvorbereitung für die anschließende Beobachtung einer Westfalenliga-Partie zwischen dem Lüner SV und dem FSC Rheda. Schiris und Coaches bereiteten sich gemeinsam auf die Begegnung vor und griffen dabei auf die Inhalte der vergangenen Lehrgangseinheiten zurück. Die zuvor erarbeiteten theoretischen Grundlagen sollten nun unmittelbar in der Praxis angewendet werden.Während der Partie beobachteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Spielleitung und analysierten anschließend wichtige Situationen. Die Beobachtung in großer Runde bot dabei einen besonderen Mehrwert: Unterschiedliche Wahrnehmungen konnten direkt miteinander verglichen und anschließend diskutiert werden.
Auf diese Weise arbeiteten Schiedsrichterinnen, Schiedsrichter und Coaches gemeinsam daran, einen einheitlichen Maßstab bei der Bewertung von Spielsituationen zu entwickeln und die theoretischen Inhalte auf die praktische Spielleitung zu übertragen.
Positives Fazit der Lehrgangsleitung
Hansjörg Rommel, Headcoach und Leiter des Perspektivteams, zog gemeinsam mit seinem Lehrgangsteam um Nils Hasse und Waldemar Stor ein positives Fazit zum Saisonauftakt. „Der traditionell zu Beginn der Saison stattfindende Lehrgang ist elementar, um gemeinsame Standards zu setzen. Insbesondere bei aktuellen Themen und Regeländerungen ist es ungemein wichtig, den Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern die nötige Theorie zu vermitteln und gleichzeitig einen direkten Praxisbezug herzustellen.“Dabei bot der zweitägige Lehrgang nicht nur die Möglichkeit, fachliche Inhalte zu vermitteln und gemeinsame Standards für die neue Spielzeit festzulegen. Auch der persönliche Austausch und die Gemeinschaft innerhalb des Perspektivteams spielten eine wichtige Rolle.
Aus dem Perspektivteam in die Regionalliga
„Auch wenn wir in diesem Jahr mit Willy einen langjährigen Coach und mit Sven, Ali, Jonas und Jan vier Schiedsrichter aus dem Perspektivteam verabschieden durften, freuen wir uns auf die neuen Mitglieder und die kommende Saison. Besonders erfreulich ist, dass wir mit Jonas, Sven und Ali gleich drei Aufsteiger aus dem Perspektivteam in die Regionalliga haben. Das zeigt, wie es laufen kann.“Mit zahlreichen neuen Eindrücken, wichtigen Erkenntnissen und einer gemeinsamen Grundlage für die kommende Saison ging damit ein intensives Lehrgangswochenende in Kaiserau zu Ende. Für die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter sowie die Coaches des Perspektivteams war der Saisonauftakt damit eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung in der neuen Spielzeit.

