Quelle: Desiree Bösebeck-Singh
Emma Bösebeck-Singh hat mit 3,93 Meter einen neuen deutschen Rekord in der Altersklasse W14 aufgestellt.
Während sich an einem extrem heißen Sommertag die meisten Menschen Abkühlung im Wasser suchten, griff Emma Bösebeck-Singh erneut zum Stab. Um 21:46 Uhr war schließlich ein lauter Jubelschrei in ganz Horn-Bad Meinberg zu hören: Die junge Stabhochspringerin hatte einen neuen deutschen Rekord in der Altersklasse W14 aufgestellt.
Bereits am Samstag bei den Westfalenmeisterschaften in Lage hatte die Nachwuchsathletin der LG Lippe-Süd ihren Wettbewerb souverän gewonnen. Anschließend ließ sie die Rekordhöhe auflegen, scheiterte jedoch noch an dieser Marke. Nur wenige Tage später nahm sie unter optimalen Bedingungen erneut Anlauf – und überquerte die 3,93 Meter im dritten Versuch. Damit verbesserte sie die deutsche Bestleistung, die zuvor 24 Jahre Bestand gehabt hatte.Den bisherigen Rekord hielt die ehemalige deutsche Spitzen-Stabhochspringerin Lisa Ryzih. Die heute 38-Jährige erreichte in ihrer Karriere eine persönliche Bestleistung von 4,75 Metern, wurde unter anderem Vize-Europameisterin und gewann bei allen drei internationalen Nachwuchsmeisterschaften der Altersklassen U18, U20 und U23 jeweils die Goldmedaille. Auch im Erwachsenenbereich etablierte sie sich über viele Jahre hinweg in der Weltspitze.

Im dritten Versuch überquerte Emma die Rekordhöhe. [Fotos: Desiree Bösebeck-Singh]
Der Weg zum Rekordsprung in diesem Sommer verlief für Emma zunächst nicht ganz nach Wunsch. Nach einem eher verhaltenen Saisonstart mit Sprüngen über 3,55 Meter und 3,60 Meter in Holzminden und Bünde platzte Anfang Juni beim „Touch the Clouds“-Meeting in München der Knoten. Dort wuchs die noch 13-Jährige über sich hinaus und erreichte erstmals völlig neue Höhenregionen. „An den deutschen Rekord haben wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gedacht“, berichtet ihre Trainerin Tina Rother. „Erst nachdem Emma die 3,90 Meter überquert hatte, bekam ich die Information, dass die Rekordmarke gar nicht mehr weit entfernt ist. Somit haben wir ein großes, eher unterbewusstes Ziel schneller erreicht als erwartet, denn Emma hatte sich für unser Marktplatzspringen am 19. Juli eine Höhe von 3,70 m vorgenommen.“
Desiree Bösebeck-Singh will Rekord am liebsten an Tochter abgeben
Eine besondere Bedeutung hat der Erfolg auch innerhalb der Familie. Emmas Mutter Desiree Bösebeck-Singh, ehemalige U18-Weltmeisterin, hält derzeit noch den deutschen Rekord in der Altersklasse U18. Wie lange dieser Bestand haben wird, bleibt abzuwarten. „Ich würde den Rekord an niemanden lieber abtreten als an meine eigene Tochter“, sagt sie mit einem Lächeln.Nach dem historischen Sprung rückt nun bereits die nächste magische Marke in den Fokus: die Vier-Meter-Grenze. Trotz ihres außergewöhnlichen Talents ist Emma aufgrund ihres jungen Alters noch nicht für internationale Nachwuchsmeisterschaften startberechtigt. An deutschen Meisterschaften darf sie offiziell erst im kommenden Jahr teilnehmen, bei den U18-Europameisterschaften wäre ein Start sogar erst in zwei Jahren möglich. Bis dahin bleibt genügend Zeit, weitere Bestleistungen aufzustellen und vielleicht noch den einen oder anderen Rekord zu brechen.
[Tina Rother]

