Quelle: FLVW.de
Jonas Lappe begeistert - hier eine Auswahlmannschaft es FLVW.
Vor drei Jahren hat Jonas Lappe sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) absolviert. Jetzt ist er mit dem KFC Uerdingen deutscher Meister im Amputierten-Fußball geworden. Aber das Highlight des Jahres liegt noch vor dem begeisterten Fußballer, dem mit zwei Jahren wegen eines Tumors der linke Oberschenkel abgenommen werden musste: die Weltmeisterschaft in Mexiko im November.
Wer Jonas Lappe eine einfache Frage stellt, bekommt eine klare Antwort. Wie wichtig ist Fußball für ihn? "Super wichtig. Ich bin Fußballer durch und durch. Ich liebe diesen Sport." Das klingt zunächst nicht außergewöhnlich. Besonders ist aber, dass Lappe nach der Amputation Fußball spielt. "Ich kenne es nicht anders", sagt er. Die Amputation ist für ihn ein Teil seiner Lebensgeschichte, seit er denken kann. "Für mich war deshalb schon immer klar, dass ich mein Leben leben möchte, so wie jeder andere Mensch auch. Ich bin in den Kindergarten gegangen, in die Grundschule, in die weiterführende Schule und jetzt studiere ich an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Meine Voraussetzungen sind vielleicht etwas speziell, aber mein Weg ist ganz normal."Für ihn war deshalb auch klar, dass er Fußball spielen würde. Warum auch nicht? Seine Freunde spielten schließlich ebenfalls. Beim SV 21 Büren im Fußball- und Leichtathletik-Verband stand Lappe mit einer Prothese bis zur A-Jugend im Tor. Dass er mit einer Prothese spielte, war im Team kein besonderes Thema – es gehörte einfach dazu. Zwölf Jahre lang blieb er mit vielen seiner Mitspieler zusammen. Aus dem Team wurden Freunde und aus dem Fußball ein Ort, an dem er nicht erst erklären musste, warum er dazugehört.
Mit Krücken auf Titelkurs
Als das Spieltempo zunahm und es für Lappe schwieriger wurde, mitzuhalten, wuchs sein Interesse am Amputierten-Fußball. Sein Weg führte ihn zunächst zu Fortuna Düsseldorf und seit dieser Saison zum KFC Uerdingen. Mit großem Erfolg: Für Lappe ist es bereits der dritte deutsche Meistertitel. Für den Verein aus Krefeld ist der Titel eine Premiere. Außerdem ist Lappe Kapitän der Nationalmannschaft im Amputierten-Fußball, die im November bei der Weltmeisterschaft in Mexiko antritt."Ich bin glücklich darüber, mich für den Amputierten-Fußball entschieden zu haben", sagt der Sportstudent. "Da spiele ich mit Menschen zusammen, die ähnliche körperliche Voraussetzungen haben wie ich. Durch meinen Schritt in die Nationalmannschaft habe ich zudem bereits die Möglichkeit gehabt, die Welt zu bereisen. Das wäre sonst sicher in dieser Form nicht möglich gewesen. Jetzt freuen wir uns alle riesig auf die Weltmeisterschaft. Das wird das nächste Abenteuer."
Im Amputierten-Fußball spielen die Feldspieler ohne Prothese, auf Krücken und mit dem verbliebenen Bein. Gespielt wird im kleineren Format, sechs gegen sechs. Die Bundesliga besteht in ihrer heutigen Form seit 2021 und umfasst derzeit vier Mannschaften: Anpfiff Hoffenheim, den KFC Uerdingen, den 1. FSV Mainz 05 und den Hamburger SV. An mehreren Spieltagen treffen die Teams aufeinander und ermitteln den deutschen Meister. In diesem Jahr durfte der KFC Uerdingen über den Titel jubeln.
"Mitleid ist der falsche Weg"
Nach dem deutschen Meistertitel richtet sich Lappes Blick nun auf die Weltmeisterschaft. Das Turnier findet vom 13. bis zum 22. November in Mexiko statt. Bei der letzten WM vor vier Jahren belegte die deutsche Mannschaft den letzten Platz. Diesmal will sie sich verbessern. Lappe sieht Deutschland allerdings als Außenseiter: Andere Nationen seien im Amputierten-Fußball deutlich weiter. Besonders stark ist die Türkei, amtierender Europa- und Weltmeister. "Mir geht es darum, unseren Sport langfristig weiterzuentwickeln und mehr Menschen dafür zu interessieren." Mitleid, davon ist Lappe überzeugt, sei dafür der falsche Weg.[Sven Winterschladen / FLVW.de]
