Quelle: Iris Hensel (Archivbild)
Hocspringerin Christian Honsel vom TV Wattenscheid 01.
Das Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) hat bei den gestern zu Ende gegangenen Europameisterschaften im britischen Birmingham überzeugt: Sechs Mal Gold, zehn Mal Silber und fünf Mal Bronze bedeuten Platz drei im Medaillenspiegel. Im schwarz-rot-goldenen Aufgebot standen auch fünf westfälische Athletinnen und Athleten. Ihr Abschneiden in der Übersicht:
Es war keine einfache Saison für Hochspringerin Christina Honsel. Doch im Finale der EM in Birmingham zeigte die Wattenscheiderin einen starken Wettkampf. Erst die neue Saisonbestleistung von 1,95 Metern war zu hoch. Damit belegte sie den vierten Platz.Die Hochspringerinnen begaben sich am Samstagabend bei klirrender Kälte auf Höhenjagd. Zu den 15 Finalistinnen zählte auch Christina Honsel (TV Wattenscheid 01). Nachdem sie die Einstiegshöhe von 1,83 Metern noch souverän gemeistert hatte, leistete sich die 29-Jährige bei 1,88 Metern zwei Fehlversuche, bevor sie doch noch souverän über die Latte floppte. Anschließend meisterte sie 1,92 Meter im ersten Anlauf. 1,95 Meter hätten dann schon neue Saisonbestleistung bedeutet. So rangierte Honsel auf Platz zwei, als die Latte auf 1,95 Meter gelegt wurde.
Einzig Maria Zodzik überquerte die Höhe im ersten Anlauf. Yaroslava Mahuchikh und Marija Vukovic zogen im zweiten nach. Christina Honsel verbuchte jedoch zwei Fehlversuche und rutschte auf Platz vier zurück. Und auch im dritten Anlauf konnte sie die Höhe nicht meistern. So blieb es beim "undankbaren" vierten Rang. Nach einer schwierigen Saison, in der die Wattenscheiderin vor der EM wegen Verletzungsproblemen lediglich zwei Freiluftwettkämpfe bestritten und auch die Deutschen Meisterschaften ausgelassen hatte, dennoch eine starke Leistung. Vor zwei Jahren in Rom (Italien) war Christina Honsel noch Elfte geworden.
"Ich hätte mich gern mit einer Medaille belohnt. Es war keine einfache Saison und ja, das sind hier in der Qualifikation und im Finale zwei ordentliche Wettkämpfe gewesen. Es ist für die Verhältnisse auf jeden Fall gut. Es ist halt ein bisschen undankbar. Nach den zwei Fehlversuchen bei 1,88 Meter dachte ich mir, dass ich jetzt kontern muss. Dann habe ich 1,92 Meter im Ersten geschafft und dachte, ich bin jetzt drin. Ich musste mich echt in den Wettkampf kämpfen“, sagte die Wattenscheiderin gegenüber leichtathletik.de.
Zehnter Platz für Hochspringer Falk Wendrich
Stattliche 2,18 Meter – so hoch lag die Latte bei der Einstiegshöhe im Hochsprung-Finale am Freitagabend in Birmingham. Bei einer solchen Höhe ist Falk Wendrich (LAZ Soest) erst einmal in einen Wettkampf eingestiegen, 2019 bei der Hallen-EM in Glasgow. Zwar blieb die Latte im ersten Versuch noch nicht liegen, doch im zweiten Durchgang übersprang der Deutsche Hallenmeister die Höhe. Im Anschluss wurden direkt 2,23 Meter aufgelegt – gleichbedeutend mit der Einstellung der Saisonbestleistung für den Soester.Doch wie einige andere Springer hatte auch Falk Wendrich bei dieser Höhe Probleme. Dreimal fiel die Latte, wobei sein zweiter Versuch der beste war. Durch den einen Fehlversuch bei 2,18 Metern wurde der Soester EM-Zehnter. Sieben Springer meisterten die 2,23 Meter, allerdings nur drei die anschließende Höhe von 2,27 Metern.
„Der Wettkampf war frustrierend und enttäuschend. Aber ich habe es nach dem Ausscheiden schnell abgelegt, darum bin ich auch im Infield geblieben. Es ist bitter, im Finale schlechter zu springen als in der Qualifikation. Aber die Erfahrung in diesem ausverkauften Stadion war wichtig. Davon will ich mehr erleben, schon nächstes Jahr bei der WM. Dafür muss ich mental stärker sein, um dann im Finale meine Bestleistung abzurufen. Auch in diesem Jahr stehen noch Wettkämpfe für mich an, beispielsweise in Heilbronn und daheim in Soest", so Wendrich.

Die Wattenscheiderin Jolina Ernst (Archivbild: Kevin Voigt / Rhine-Ruhr 2025).
Verletzung vereitelt Finaleinzug für Jolina Ernst und Co.
Für die deutsche 4x100-Meter-Staffel der Frauen ist der Traum vom EM-Finale bereits im Vorlauf geplatzt. Das Quartett mit Jolina Ernst (TV Wattenscheid 01), Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar), Sophia Junk (LG Rhein-Wied) und Gina Lückenkemper (SCC Berlin) ging im zweiten von zwei Vorläufen auf Bahn sechs ins Rennen und lag nach den ersten Wechseln zunächst aussichtsreich im Rennen. Beim ersten Wechsel musste Jolina Ernst zwar noch einmal kurz nachfassen, brachte den Staffelstab aber sicher zu Rebekka Haase. Auch der zweite Wechsel auf Sophia Junk verlief sauber und schnell, anschließend lief die 27-Jährige eine starke Kurve.Beim letzten Wechsel kam es dann zu Problemen. Als Sophia Junk den Staffelstab an Gina Lückenkemper übergeben wollte, verspürte sie plötzlich ein Stechen im linken Oberschenkel und verlor dadurch die Kontrolle über die Bewegung. Die Übergabe misslang, die deutsche Staffel konnte das Rennen nicht beenden.
Für die amtierende deutsche Meisterin Jolina Ernst war der internationale Start dennoch ein überragendes Erlebnis: „Es war ein tolles Gefühl, bei so einer großen Meisterschaft zum ersten Mal auf der Bahn zu stehen. Es war etwas aufregender als sonst, aber ich glaube, ich habe das ganz gut gemacht. Natürlich hätte ich mich gefreut, heute Abend noch einmal zeigen zu können, was wir draufhaben“, sagte Jolina Ernst.
Sanders läuft mit Staffel ins Finale
Im letzten und abschließenden Wettbewerb der Europameisterschaften in Birmingham hat die deutsche 4x400-Meter-Staffel der Männer am Sonntag Rang sieben belegt. Der Wattenscheider Manuel Sanders stand im Finale nicht auf der Bahn, sorgte beim Vorlauf aber als Teil des Quartetts für die Qualifikation. Zusammen mit Thilo Traue (LG Stadtwerke München), Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel), und Jean Paul Bredau (VfL Wolfsburg) löste Sanders die Aufgabe souverän. Als Dritte des ersten Vorlaufs mit 3:01,07 Minuten schnappte sich der „DLV-Vierer“ das angepeilte große „Q“. „Das Rennen hat richtig Spaß gemacht. Wir sind ein neues, durchgemischtes Team mit frischem Wind. Es war eine solide, gute Leistung“, sagte Sanders nach der Quali.Mit Jan-Eric Frehe von der LG Brillux Münster gehörte ein weiterer westfälischer Athlet zum DLV-Aufgebot. Der als Ersatzmann nominierte Sprinter für die 4x100 Meter und 4x100 Meter Mixed-Staffel kam nicht zum Einsatz.

