Quelle: Tom Dulat (Getty Images)
Bald im FLVW-Kreis Gelsenkirchen im Einsatz: Die Bodycam für Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter.
Gemeinsam mit der FIFA und dem DFB erprobt der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) den Einsatz von Bodycams im Amateurfußball – zunächst in der Kreisliga B im FLVW-Kreis Gelsenkirchen.
Sicherheit für Schiedsrichter*innen, mehr Respekt auf und neben dem Platz und neue Erkenntnisse im Umgang mit Gewalt und Beleidigungen: Der FLVW startet gemeinsam mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der FIFA ein in dieser Form bislang einmaliges Pilotprojekt in Deutschland. In der Kreisliga B des FLVW-Kreises Gelsenkirchen werden Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter ab dem kommenden Spieltag (13.09.) mit Bodycams ausgestattet.Der Einsatz der Kameras soll dabei ausdrücklich präventiv wirken. Die Bodycam zeichnet nicht dauerhaft auf. Im Bereitschaftsmodus werden die jeweils vergangenen 30 Sekunden fortlaufend überschrieben. Erst durch die Aktivierung durch die Spielleitung wird die Aufnahme gespeichert – einschließlich der vorausgegangenen 30 Sekunden und der anschließenden Situation. Die Aktivierung ist für alle Beteiligten sichtbar und wird durch ein akustisches Signal, ein rotes Licht sowie die Anzeige des Live-Bildes an der Kamera kenntlich gemacht. Das Pilotprojekt ist datenschutzrechtlich geprüft und wird während der verbleibenden Saison wissenschaftlich begleitet.
„Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter übernehmen Woche für Woche Verantwortung für unseren Fußball. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass sie ihren Sport sicher und ohne Angst ausüben können. Wenn Technik dazu beitragen kann, unser Ehrenamt zu schützen, sollten wir bereit sein, neue Wege zu gehen. Wir sind sehr stolz darauf, dass der DFB den FLVW für diesen Piloten ausgesucht hat und uns so ganz neue Möglichkeiten gibt.“
Andree Kruphölter, Vizepräsident Amateurfußball im FLVW
„Eine Bodycam kann natürlich keine Konflikte lösen und sie ersetzt auch nicht die persönliche Kommunikation auf dem Platz. Aber sie kann Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern ein zusätzliches Sicherheitsgefühl geben und in kritischen Situationen deeskalierend wirken. Gleichzeitig ist es wichtig, genau zu untersuchen, wie die Technik im tatsächlichen Spielbetrieb angenommen wird und welchen Effekt sie auf das Verhalten aller Beteiligten hat.“
Marcel Neuer, Vorsitzender des Verbands-Schiedsrichter-Ausschusses
„Der FLVW-Kreis Gelsenkirchen ist stolz darauf, dieses Projekt gemeinsam mit dem FLVW, dem DFB und der FIFA auf den Weg zu bringen. Wir waren spontan bereit, dieses Projekt als Pilotpartner zu übernehmen, da wir jede Aktion unterstützen, die das Potenzial hat, zu mehr Fairplay auf dem Fußballplatz zu führen. Für uns ist entscheidend, dass die Bodycam nicht als Überwachungsinstrument verstanden wird, sondern als zusätzliches Werkzeug zum Schutz unserer Schiedsrichter*innen. Genau das haben wir vorab auch unseren Vereinen mitgeteilt und ganz genau beschrieben, wie die Nutzung der Bodycams ablaufen wird.“
Volker Dyba, Kreisvorsitzender des FLVW-Kreises Gelsenkirchen
„Das Besondere an diesem Pilotprojekt ist, dass wir nicht nur eine technische Lösung ausprobieren, sondern wissenschaftlich untersuchen, welche Wirkung sie tatsächlich entfaltet. Die Erkenntnisse aus Gelsenkirchen können deshalb weit über den konkreten Einsatzort hinaus von Bedeutung sein. Gerade die Zusammenarbeit mit der FIFA macht das Projekt auch international interessant.“
Moiken Wolk, Abteilungsleiterin Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter beim Deutschen Fußball-Bund
Wissenschaftliche Begleitung und klare Regeln
Das Pilotprojekt wird über die verbleibende Saison wissenschaftlich begleitet. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl der Schiedsrichter*innen sowie das Verhalten der Spieler, Trainer und Zuschauer*innen. Dazu werden unter anderem Vorfallstatistiken sowie die Anzahl von Gelben und Roten Karten mit der Vorsaison verglichen. Zusätzlich sind Befragungen der teilnehmenden Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter vor dem Start, in der Winterpause und nach Saisonende vorgesehen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden nach Abschluss der wissenschaftlichen Begleitung ausgewertet und in die internationale Bewertung durch die FIFA einfließen.Auch beim Datenschutz gelten klare Regeln: Spieler, Trainer und Mannschaftsverantwortliche werden über ihre Vereine informiert. Die Schiedsrichter informieren die Mannschaften vor dem jeweiligen Spiel zusätzlich über das Tragen der Bodycam. Zuschauer*innen werden durch deutlich sichtbare Hinweisschilder am Sportplatz auf den möglichen Einsatz aufmerksam gemacht. Die Aufnahmen werden verschlüsselt übertragen und ausschließlich nach einer tatsächlichen Aktivierung der Kamera hochgeladen. Der Zugriff auf die gespeicherten Daten ist streng begrenzt.
[FLVW.de]

