Quelle: FLVW
Arbeiten beim TV Gladbeck seit über zehn Jahren zusammen: Neele Schuten und ihr Trainer Heiner Preute.
Neele Schuten geht am kommenden Wochenende bei den Olympischen Winterspielen als Anschieberin im Zweierbob an den Start. Die Bundespolizistin war erfolgreiche Hürdensprinterin und Mehrkämpferin, bevor sie von der Tartanbahn in den Eiskanal gewechselt ist. Beim TV Gladbeck wird die 26-Jährige nach wie vor von Heiner Preute trainiert, der in beiden Sportarten zuhause ist. Wir haben uns mit beiden kurz vor der Abreise zu den Winterspielen unterhalten.
Wie sehr freust du dich auf Olympia?Neele Schuten: Das ist eigentlich unbeschreiblich. Ich freue mich sehr auf Olympia. Das ist meine erste Teilnahme. Ich mache den Sport jetzt seit vier Jahren und hätte nie damit gerechnet, dass ich so weit komme. Und als es jetzt immer näher gerückt ist, da wurde mir das so langsam klar, was das bedeutet. Dann gibt einem noch mal einen riesigen Motivationsschub – dann hat man größere Ziele. Dass ich die jetzt wahrnehmen kann, ist einfach richtig schön.
Mit Kira Lipperheide ist noch eine weitere Athletin vom TV Gladbeck als Ersatzanschieberin dabei. Was bedeutet es für euren Verein, zwei Olympiateilnehmerinnen vorweisen zu können?
Heiner Preute: Ich denke, für uns in Gladbeck ist das schon etwas Besonderes. Wir sind eine kleine Stadt mit 78.000 Einwohnern. Wenn man dann sagen kann, dass zwei Athletinnen aus der Stadt, beziehungsweise aus dem Turnverein Gladbeck, bei Olympia dabei sind, dann ist das schon eine richtig große Nummer.
Neele Schuten beim Fototermin während der olympischen Spiele [Foto: IOC/getty images].Wie hart hast du für dieses Ziel gearbeitet?
Neele: Ich glaube, die ganze Arbeit ist nicht in den letzten Monaten, sondern in den letzten Jahren passiert. Da haben wir sehr hart dafür trainiert. Wie jeder andere Athlet, der zu Olympia möchte, oder da teilnehmen darf. Dafür gibt man alles und richtet sein Leben danach aus. Ansonsten würde das auch nicht funktionieren.
Seit Herbst 2021 bist du jetzt im Bobsport dabei. Was hat damals den Ausschlag für dich gegeben, die Sportart zu wechseln?
Neele: Ich kam damals frisch von einem Stipendium aus den USA zurück und habe in Deutschland noch eine Sommersaison über die Kurzhürden absolviert. Mit dem Mehrkampf hatte ich zu der Zeit schon aufgehört aufgrund von Ellbogenproblemen. Dann kam auch die berufliche Situation dazu und die Frage: Wo gehe ich jetzt meinen Weg? Da kam die Polizei bzw. Bundespolizei ins Spiel. Da hatte ich mich beworben, wurde angenommen, habe die Einstellungstests gemacht und wurde dann gefragt, ob ich das nicht über den Wintersport weiterführen möchte. Auf diesem Weg bin ich da reingerutscht.
Welche Rolle hast du dabei gespielt?
Heiner: Als klar war, dass Neele Richtung Bundespolizei wollte, habe ich sie gefragt, ob wir es über die Sportfördergruppe der Bundespolizei versuchen sollen. Annika Drazek (ebenfalls ehemalige Gladbecker Leichtathletin und erfolgreiche Bobanschieberin, Anm. d. Red.) ist diesen Weg schon einige Jahre zuvor gegangen. Beim Bob-Verband waren die Qualitäten von Nele bekannt, als deutsche Vizemeisterin von 2019 über 100 Meter Hürden und das, was sie eben auch über 100 Meter kann. Sie ist dann zu einem Training nach Oberhof eingeladen worden und hat dort gezeigt, dass sie die Qualität hat, um eine sehr gute Anschieberin zu werden.
Neele Schuten bei der Vorbereitung auf die olympischen Spiele
Was macht den größten Reiz am Bobsport aus?
Neele: Ich glaube, beim Bob macht den Reiz das Große und Ganze aus. Also das ganze Paket von Adrenalin beim Fahren, von den Teamfähigkeiten, die man haben muss, und von den technischen Fähigkeiten, die man mitbringen muss. Und natürlich dieser Kick, dieser Rush, den man dann hat, wenn man ins Ziel kommt und die Zahl stehen sieht. Das ist ein Gefühl, das ich nicht mehr missen möchte.
Welche Gemeinsamkeiten gibt es zur Leichtathletik?
Neele: Viele. Das Training ist sehr ähnlich, würde ich sagen. Wir haben natürlich viel Kraft und Gewicht zugelegt, aber man muss immer noch genauso schnell und spritzig sein. Man hat einen 170 Kilo-Schlitten vor sich, den man dann schnell wegschieben muss. Und hinten raus beim Anschieben kommt man in ein schnelles Sprinten. Das kommt dem Sprinten bei der Leichtathletik auch nah, finde ich.
Du arbeitest seit mehr als zehn Jahren mit Heiner zusammen. Was macht ihn als Trainer aus und inwieweit ist er nach der langen Zeit eine Vertrauensperson für dich geworden?
Neele: Ich finde, Heiner macht als Trainer aus, dass er auf jeden Fall das gewisse Feingefühl mit reinbringt. Er ist sehr auf den Athleten bezogen, egal, welchen Bereich es betrifft. Er ist immer ein Ansprechpartner. Und er bringt auch das nötige Wissen und die Erfahrung mit.
Wie kamst du zum Bobsport?
Heiner: Ich bin 1986 als Aktiver von Schalke 96 zum TV Gladbeck gewechselt und habe dann über meinen damaligen Trainer, der auch der Bob-Landestrainer war, mit unserer gesamten Trainingsgruppe ein Wochenendprobetraining in Winterberg absolviert. 14 Tage später kam der Anruf, dass ein Pilot für die Deutschen Meisterschaften im Vierer-Bob noch einen Anschieber sucht. Und da wurde ich gefragt, ob ich Lust dazu habe. Ich bin hingefahren und dann quasi sofort mit einer Deutschen Meisterschaft eingestiegen. Und ja, dadurch ist dann der Kontakt entstanden und der ist dann letztendlich geblieben. Ich habe dann auch später als Athletiktrainer beim Nordrhein-Westfälischen Bob- und Schlittensportverband (NWBSV) gearbeitet. So blieb die Verbindung bis heute bestehen.
Neele Schuten bei den deutschen Meisterschaften 2019 [Foto: I. Hensel].Seit wann gibt es diese Abteilung Kufe beim TV Gladbeck?
Heiner: Die gibt es seit 2018. Also Ende 2018 haben wir die ins Leben gerufen, weil ich einfach auch nicht wollte, dass ich immer alle Athleten nach Winterberg abgeben muss und die Erfolge auch mal für die kleine Stadt Gladbeck und den TV Gladbeck verbuchen wollte. Ich habe dann mit dem Vorstand gesprochen und wir haben beschlossen, das zu machen. Neben Neele noch viele weitere erfolgreiche Beispiele von Athletinnen und Athleten, die gewechselt sind von der Leichtathletik.
Was erhoffst du dir von den Olympischen Spielen?
Neele: Ich erhoffe mir eigentlich nur, eine gute Zeit zu haben. Also ich will da an den Start gehen, gesund sein und mein Bestes geben mit meiner Pilotin. Und ich will nicht sagen, mir ist egal, was am Ende rauskommt. Es wäre natürlich schön, wenn wir damit zufrieden sind mit dem Ergebnis und mit den vier Fahrten, auf jeden Fall. Und eine Medaille wäre natürlich das Oberkrasseste. Aber ich bin so happy, dabei zu sein. Das gibt mir schon alles.
Für dich ist es ebenfalls eine Premiere. Du hast schon einige Athletinnen und Athleten auf die Olympischen Spiele vorbereitet, jetzt bist du zum ersten Mal mit vor Ort …
Heiner: Ja, ich habe gedacht, so heimatnah, wie das Ganze ist, möchte ich mir das dann doch mal aus nächster Nähe anschauen – Und hoffentlich ein gemeinsames Erfolgserlebnis feiern. Das wäre schon sicherlich das i-Tüpfelchen auf der ganzen Geschichte, die wir da jetzt vor ein paar Jahren dann begonnen haben. Es ist grundsätzlich ein Traum, dass man Olympische Spiele erlebt. In meiner Karriere als Sportler und auch als Trainer ist das immer das Höchste. Und wenn man dieses höchste Level erreicht hat und dabei sein kann, dann geht das schon einfach ein Traum in Erfüllung.
Vielen Dank für das Gespräch!
Zur Info:
Neele Schuten war vor ihrer Karriere als Bob-Anschieberin als Leichtathletin aktiv. Ihren größten Erfolg erzielte sie im Hürdensprint, wo sie bei den deutschen Meisterschaften Silber holte. Im Nachwuchsbereich gewann sie insgesamt fünf Einzelmedaillen im Hürdensprint und im Mehrkampf. Ihr Debüt im Bob-Weltcup feierte die gebürtige Gladbeckerin im Dezember 2022. Seitdem stehen sechs Weltcup-Siege, eine Bronzemedaille und zweimal EM-Gold zu Buche.
Heiner Preute hat als Athletik-Trainer beim Nordrhein-Westfälischen Bob- und Schlittensportverband (NWBSV) schon mehrere Athletinnen und Athleten zu den olympischen Spielen geführt. Für den Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) ist Preute als Landestrainer für den Langhürden-Kader verantwortlich.
[FLVW.de]