Am vergangenen Samstag ist das Frauen-Förderteam des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) mit einem gemeinsamen Lehrgang in die neue Saison gestartet. Für die Schiedsrichterinnen stand dabei ein abwechslungsreiches Programm auf dem Plan, das neben der fachlichen Weiterentwicklung auch die praktische Arbeit und die körperliche Fitness in den Mittelpunkt stellte.
Das Förderteam verfolgt das Ziel, talentierte Schiedsrichterinnen gezielt zu begleiten und weiterzuentwickeln. Sie sollen dabei bestmöglich auf die Anforderungen höherer Spielklassen im Frauen- und Männerbereich vorbereitet werden. Neben der Regelsicherheit spielen dabei insbesondere die Spielleitung, die eigene Reflexion sowie der Umgang mit Beobachtungen und Coaching eine wichtige Rolle.Zu Beginn des Lehrgangs informierte die Lehrgangsleitung um Dirk Schmale über aktuelle personelle Veränderungen. Einige Schiedsrichterinnen, die das Förderteam in der vergangenen Zeit begleitet hatten, wurden verabschiedet. Gleichzeitig erhielten die neuen Mitgliederin einen herzlichen Empfang und wurden in der Gruppe willkommen geheißen.

Dirk Schmale (l.) und Uwe Doods [Fotos: Okan Cosgun]
Coaching-Gespräche als Schwerpunkt
Ein zentraler Bestandteil des Lehrgangs war die Auseinandersetzung mit dem Coaching-Gespräch zwischen Schiedsrichterinnen, Coaches und Beobachterinnen beziehungsweise Beobachtern. Hierzu war Uwe Doods aus dem FLVW-Kreis Ahaus-Coesfeld zu Gast.
Doods verfügt selbst über umfangreiche Erfahrungen als Beobachter und Coach im Perspektivteam des FLVW und konnte deshalb zahlreiche praktische Beispiele aus seiner Tätigkeit einbringen. Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die Frage, wie ein Coaching- oder Beobachtungsgespräch für beide Seiten gewinnbringend gestaltet werden kann.
Dabei ging es unter anderem darum, welche Erwartungen Schiedsrichterinnen an Coaches und Beobachterinnen beziehungsweise Beobachter haben können und welche Erwartungen ihnen umgekehrt in einem solchen Gespräch entgegengebracht werden. Auch der richtige Umgang mit unterschiedlichen Einschätzungen wurde thematisiert. Eine offene Kommunikation und eine sachliche Gesprächsführung sind dabei wichtige Voraussetzungen, um gemeinsam aus einem Spiel zu lernen und die eigene Leistung weiterzuentwickeln.
Besonders ausführlich beschäftigte sich die Gruppe mit der eigenen Selbsteinschätzung. Nach einem Spiel sollte eine Schiedsrichterin in der Lage sein, ihre Leistung realistisch einzuschätzen, positive Aspekte zu benennen und gleichzeitig Situationen zu erkennen, in denen noch Verbesserungspotenzial besteht. Ebenso wichtig ist eine gute Vorbereitung auf das anschließende Gespräch. Nur wer sich selbst bereits intensiv mit der eigenen Spielleitung auseinandergesetzt hat, kann die Rückmeldungen des Beobachters oder der Beobachterin sinnvoll einordnen und für die weitere Entwicklung nutzen.

Von der Theorie in die Praxis
Nach den theoretischen Grundlagen folgte der praktische Teil. Mithilfe von Rollenspielen konnten die zuvor besprochenen Inhalte unmittelbar angewendet werden. Zunächst sahen sich die Schiedsrichterinnen verschiedene Videoszenen an und analysierten die jeweiligen Situationen. Anschließend wurden die Inhalte in simulierten Coaching-Gesprächen aufgegriffen. Die Teilnehmerinnen übernahmen dabei unterschiedliche Rollen und führten Gespräche auf Grundlage der zuvor betrachteten Szenen.
Dabei wurde deutlich, dass ein solches Gespräch weit mehr ist als eine reine Besprechung einzelner Entscheidungen. Neben der Frage, ob eine Entscheidung richtig oder falsch war, spielen auch die Wahrnehmung einer Spielsituation, die eigene Positionierung, die Kommunikation auf dem Spielfeld und die generelle Spielleitung eine Rolle.
Die Rollenspiele boten den Schiedsrichterinnen die Möglichkeit, unterschiedliche Gesprächssituationen kennenzulernen und selbst auszuprobieren. Gemeinsam wurden gelungene Ansätze herausgearbeitet und Situationen besprochen, bei denen eine andere Herangehensweise sinnvoll sein könnte. So konnten die Teilnehmerinnen die theoretischen Inhalte direkt auf konkrete Spielsituationen übertragen.
Regeltest und körperliche Leistungsüberprüfung
Nach der gemeinsamen Mittagspause wartete mit dem Regeltest ein weiterer wichtiger Programmpunkt auf die Gruppe. Für jede Schiedsrichterin ist eine sichere Kenntnis des Regelwerks eine wesentliche Grundlage für die Spielleitung. Schließlich gilt es, auch in schwierigen oder hektischen Situationen schnell und sicher die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Im Rahmen der Prüfung konnten die Teilnehmerinnen ihren aktuellen Kenntnisstand unter Beweis stellen. Im Anschluss wurde der Test gemeinsam ausgewertet. Dabei wurden einzelne Fragen noch einmal aufgegriffen und mögliche Unklarheiten besprochen.

Neben der Regelsicherheit ist auch die körperliche Fitness ein wichtiger Bestandteil der Anforderungen an die Unparteiischen. Gerade mit Blick auf die höheren Spielklassen müssen die Schiedsrichterinnen in der Lage sein, über die gesamte Spielzeit hinweg eine gute Position zum Spielgeschehen zu halten und auch in intensiven Phasen handlungsfähig zu bleiben.
Regeländerungen und Informationen aus dem DFB-Bereich
Daher stand zusätzlich eine Laufprüfung auf dem Programm. Die Teilnehmerinnen absolvierten einen Intervalltest sowie verschiedene Sprintübungen und stellten dabei ihre körperliche Leistungsfähigkeit unter Beweis.Zum Abschluss des Lehrgangs ging es noch einmal um das Regelwerk. Die Schiedsrichterinnen erhielten eine Übersicht über die Regeländerungen, die mit Beginn der neuen Saison in Kraft getreten sind. Anhand ausgewählter Beispiele wurden die Neuerungen erläutert und deren Bedeutung für die praktische Spielleitung besprochen.
Darüber hinaus gab Dirk Schmale Informationen und aktuelle Entwicklungen aus dem DFB-Bereich weiter. Damit erhielten die Teilnehmerinnen auch einen Einblick in übergeordnete Themen und aktuelle Entwicklungen rund um das Schiedsrichterwesen.
Weitere Informationen:
[Okan Cosgun]

